Christina Zück
Was wir sehen blickt uns an.

Die Fotografin Christina Zück findet ihre Bildmotive in Zoologischen Gärten, auf Reisen und an italienischen Badestränden. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich primär auf die Wiedergabe von Mensch und Tier in einem vorgefundenen, nicht inszenierten Kontext.

In Gießen sind einige der farbigen Tierporträts aus der Serie 'Wildlife Memories' zu sehen, die seit 1994 in nationalen und internationalen Zoos entstanden sind. Die Fotografien zeigen unterschiedlichste Tiere als scheinbar bereitwillige und geduldige Modelle in alltäglichen Situationen. Nicht als wilde, ungebändigte Kreaturen, sondern als ausnehmend friedliche und zahme Tiere. In einigen Fällen werden die Tiere in kulissenartigen Gehegen gezeigt, andere Arbeiten sind im klassischen Sinne Porträts und zeigen ausnahmslos das Tier oder sein Gesicht. Viele Tiere blicken direkt in die Kamera, begegnen dem Blick des Betrachters und steigern seine Aufmerksamkeit.

In seiner 'Untersuchung zur Metapsychologie des Bildes' schreibt Georges Didi-Huberman über die Spaltung des Sehens: »Was wir sehen gewinnt in unseren Augen Leben und Bedeutung nur durch das, was uns anblickt, uns betrifft. Dennoch ist die Spaltung, die in uns das, was wir sehen, von dem trennt, was uns anblickt, unausweichlich. Man sollte daher noch einmal von dem Paradox ausgehen, wonach der Akt des Sehens sich nur vollzieht, indem er sich zweiteilt.«
Der Blick der Tiere ist erschreckend präzise und ebenso gezielt, wie der des Betrachters. Nur das Reflektieren darüber, was dieses Sehen lehrt, dürfte (weil man gezielte Denkprozesse bei Tieren immer noch ausschließen kann) unterschiedlich verlaufen.

Auch wenn die Bilder nicht inszeniert sind – die Orte sind es. Der tropische Urwald oder die Weite der Steppe sind bröckelnde Panoramabilder, ebenso wie Palmen, Pflanzen und Bäume, die mühsam kultiviert (oder einfach an die Wand gemalt) werden, um die Illusion der Wildnis zu erzeugen. In diesen Landschaftsbildern liegen oder sitzen die Zootiere in sozialen Verbänden oder alleine.
Der Blick, den uns Christina Zück ermöglicht, macht die Tiere menschenähnlich und die Mischung von Bildebenen unterschiedlicher materieller Qualität (gemalte Hintergründe, echte Bäume, Tiere im Mittelgrund und ein realer Ast im Vordergrund) machen aus der Fotografie ein Werk mit malerischen Qualitäten. Wie in einem klassischen Landschaftsbild kann man in den Gehegen umherstreifen und Einzelheiten entdecken: einen Affen, der sein Spiegelbild in der Wasseroberfläche betrachtet.


 

1969
1989–92
1992–93
1993–99

1997
2001

geboren in Gießen
Studium an der Ecole Nationale de la Photographie, Arles
Studium der Fine Arts an der Cooper Union, New York
Studium an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe;
Magister
DG Bank Förderpreis Fotografie
Kunstpreis Villa Romana 2002

Ausstellungen seit 1996 in Europa


Bibliographie

Thomas Weski (Hg.): »Christina Zück –Wildlife Memories«
Sprengel Museum, Hannover 1997

»Christina Zück«, Junge Kunst e.V., Wolfsburg 2001

Regina Haslinger und Erika Rödiger-Diruf (Hg.): »Herausforderung Tier. Von Beuys bis Kabakov«, Prestel, München 2000

Beate Ermacora (Hg.): »Desert & Transit«, Schleswig Holsteinischer
Kunstverein, Kiel und Museum der bildenden Künste, Leipzig 2000

Carmen Schliebe (Hg.): »Krokodil und Schwein«, Brandenburgische
Kunstsammlungen, Cottbus 2002

Anna Detheridge (Hg.), »In Natura. X Biennale di Fotografia«
Fondazione Italiana per la Fotografia, Torino 2003

»XL Photography 2. Art Collection Deutsche Börse«
Hatje Cantz, Ostfildern 2003