|
Nada Sebestyén
mögliche Landschaften
Wohnräume, Behausungen und die Frage nach dem Verhältnis von Heimat und Fremde sind im Werk von Nada Sebestyén seit jeher wichtige Koordinaten. Während die traditionellen bildhauerischen Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 1997 einem imaginären Bewohner ihrer Kunsträume gewidmet waren, stehen seit ihrem Aufenthalt in New York (1998) textile Materialien und die Herstellung von Kleidung im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Die Moving Clothes (1998) sind aus amerikanischen Umzugsdecken hergestellt, die benutzt werden, um die Möbel beim Transport zu schützen. Der Moving Coat funktioniert wie ein Zelt: er ist beweglich und er schützt.
Aus Materialien, die sich neben der hohen Belastbarkeit durch ihre Bedeutung für den mobilen Einsatz auszeichnen, fertigt die Künstlerin seit 1999 unter dem Modelabel NADA Mäntel, Capes, Röcke, Hosen und Umhänge, die Gestaltungsprinzipien aus den Bereichen Mode, Design und Kunst aufgreifen und miteinander verknüpfen.
Während eines Arbeitsstipendiums in der Türkei fertigte sie die Fotocollagen der Serie Neubau (2000), die auf der diesjährigen Berlin Biennale zu sehen waren. Sie können als Entwürfe für bewohnbare Strukturen in möglichen Landschaften verstanden werden: Häuser, Hütten und Unterstände in Gegenden, die durch Bildanteile aus Ägypten, Kreta, Brandenburg, Gebirgen, Wüsten und Wasserflächen zusammengesetzt sind.
Das collagenhafte der Konstruktionen ist Thema und künstlerisches Arbeitsprinzip zugleich.
In Gießen zeigt Nada Sebestyén neue Glasarbeiten und Zeichnungen, die im räumlichen Zusammenhang mit der Wandmalerei von Julia Kröpelin die Imagination neuer Landschaften ermöglichen.
|